Betriebsanweisung erstellen: Pflicht, Aufbau und Muster für Maschinen
Wann eine Betriebsanweisung Pflicht ist (§ 12 BetrSichV, § 14 GefStoffV), wie sie aufgebaut wird und wo sie hängen muss – mit Muster für eine Formatkreissäge.
Eine Betriebsanweisung ist eine kurze, verbindliche Anleitung für die Beschäftigten: Welche Gefahren gibt es an dieser Maschine oder bei diesem Stoff, wie schütze ich mich, was tue ich bei einer Störung oder einem Unfall? Sie ist kein Ersatz für die Gefährdungsbeurteilung, sondern ihr Ergebnis in der Sprache der Werkstatt – und sie hängt dort, wo gearbeitet wird.
Wann ist eine Betriebsanweisung Pflicht?
Für Arbeitsmittel regelt das die Betriebssicherheitsverordnung. Der Arbeitgeber muss eine schriftliche Betriebsanweisung „in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache an geeigneter Stelle zur Verfügung“ stellen, bevor das Arbeitsmittel erstmals verwendet wird.

Zwei Ausnahmen stehen direkt im Text:
- Keine Betriebsanweisung nötig für Arbeitsmittel, für die der Hersteller keine Gebrauchsanleitung mitliefern muss – etwa einfache Handwerkzeuge wie Hammer oder Stemmeisen.
- Statt einer eigenen Betriebsanweisung dürfen Sie die Betriebsanleitung des Herstellers bereitstellen, wenn sie die gleichen Informationen enthält. In der Praxis sind Herstelleranleitungen aber zu lang und zu allgemein, um an der Maschine zu hängen. Die meisten Betriebe hängen deshalb eine einseitige Betriebsanweisung aus und legen die Anleitung griffbereit dazu.
Für Gefahrstoffe verlangt § 14 Abs. 1 GefStoffV eine schriftliche Betriebsanweisung, „die der Gefährdungsbeurteilung nach § 6 Rechnung trägt“. Bei vielen ähnlichen Stoffen – etwa mehreren Lacken – erlaubt die TRGS 555 (Abschn. 3.1 Abs. 13) eine Sammelbetriebsanweisung für die ganze Gruppe.
Aufbau einer Betriebsanweisung für Maschinen
Für Maschinen gibt es keine verbindliche Gliederung. Durchgesetzt hat sich der Aufbau, den auch die Berufsgenossenschaften in ihren Mustern verwenden. Er folgt den drei Punkten aus § 12 Abs. 1 BetrSichV: Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln, Verhalten bei Störungen, Unfällen und Erste Hilfe.
| Abschnitt | Was hinein gehört | Beispiel Formatkreissäge |
|---|---|---|
| Kopf | Betrieb, Maschine mit Typ, Arbeitsplatz, Stand/Datum | Formatkreissäge Altendorf F 45, Maschinenraum |
| Gefahren für Mensch und Umwelt | Was passieren kann, aus der Gefährdungsbeurteilung | Schnittverletzungen am Sägeblatt, Rückschlag, Holzstaub, Lärm |
| Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln | Konkrete Handgriffe, PSA | Spaltkeil max. 8 mm Abstand, Haube auf Werkstückhöhe, Schiebestock |
| Verhalten bei Störungen | Was tun, wenn etwas klemmt oder kaputt ist | Maschine ausschalten, nur im Stillstand beheben, Mängel melden |
| Erste Hilfe | Notruf, Ersthelfer, Sofortmaßnahmen | NOT-AUS, Notruf 112, abgetrennte Teile sichern |
| Instandhaltung | Wer darf was warten und wie | Blattwechsel nur bei gesicherter Maschine |

Aufbau einer Betriebsanweisung für Gefahrstoffe (TRGS 555)
Für Gefahrstoffe ist die Gliederung in TRGS 555 Abschn. 3.2.1 festgelegt:
- Arbeitsbereiche, Arbeitsplatz, Tätigkeit
- Gefahrstoffe (Bezeichnung) – mit dem Handelsnamen, den die Beschäftigten kennen
- Gefahren für Mensch und Umwelt – H-Sätze im Wortlaut oder sinnvoll umschrieben, Piktogramme ergänzend
- Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln – technisch, organisatorisch, persönlich
- Verhalten im Gefahrfall
- Erste Hilfe
- Sachgerechte Entsorgung
Die Angaben finden Sie im Sicherheitsdatenblatt des Herstellers (Abschnitte 2, 4, 5, 7, 8 und 13). In Schreinereien typisch: eine Sammelbetriebsanweisung für lösemittelhaltige Lacke, eine für PUR-Kleber und eine für Holzstaub.
Betriebsanweisung erstellen in 5 Schritten
- Gefährdungsbeurteilung zur Hand nehmen. Die Zeilen zur Maschine liefern Gefahren und Maßnahmen. Steht dort „Spaltkeil fehlt“, gehört „Spaltkeil immer verwenden“ in die Betriebsanweisung.
- Herstelleranleitung danebenlegen. Sie liefert die maschinenspezifischen Punkte: zulässige Werkzeuge, Drehzahlen, Rüsten.
- Kurz und konkret formulieren. Ein Satz pro Regel, Befehlsform, keine Paragraphen. „Reststücke nur mit dem Schiebestock entfernen“ statt „Es ist darauf zu achten, dass…“.
- Mit den Beschäftigten durchgehen. Wer an der Maschine steht, merkt sofort, wenn etwas fehlt oder nicht stimmt.
- Unterschreiben, aushängen, unterweisen. Laut § 12 Abs. 2 BetrSichV ist die Betriebsanweisung bei der jährlichen Unterweisung „in Bezug zu nehmen“. Datum und Namen der Unterwiesenen schriftlich festhalten (§ 12 Abs. 1).
Wo muss die Betriebsanweisung hängen?
Das Gesetz sagt „an geeigneter Stelle“. Gemeint ist: dort, wo die Beschäftigten sie brauchen – direkt an oder neben der Maschine, gut lesbar, geschützt vor Staub (Klarsichthülle oder Rahmen). Bei Gefahrstoffen am Lager- und am Verarbeitungsort.
Wann muss sie aktualisiert werden?
Bei „sicherheitsrelevanten Änderungen der Arbeitsbedingungen“ (§ 12 Abs. 2 BetrSichV) bzw. „bei jeder maßgeblichen Veränderung“ (§ 14 Abs. 1 GefStoffV). Typisch: neue Schutzeinrichtung, Umbau, neuer Lack, Unfall. Eine feste Frist gibt es nicht. Weil die Betriebsanweisung aus der Gefährdungsbeurteilung kommt, werden beide am besten zusammen fortgeschrieben.
Betriebsanweisung und Unterweisung
Aushängen allein reicht nicht. Die Beschäftigten müssen anhand der Betriebsanweisung mündlich unterwiesen werden – vor der ersten Benutzung und danach mindestens einmal jährlich (§ 12 ArbSchG, § 12 Abs. 1 BetrSichV, DGUV Vorschrift 1 § 4), Jugendliche halbjährlich.

Häufige Fehler
- Allgemeine Vorlage „Kreissäge“ ohne Bezug zur eigenen Maschine und ohne Stand.
- Betriebsanweisung liegt im Büroordner statt an der Maschine.
- Seit dem Kauf der neuen Maschine nicht angepasst.
- Unterweisung nicht dokumentiert – dann gilt sie im Streitfall als nicht erfolgt.
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Häufige Fragen
Ist eine Betriebsanweisung Pflicht?
Ja, für Maschinen und Geräte nach § 12 Abs. 2 BetrSichV und für Gefahrstoffe nach § 14 GefStoffV. Ausgenommen sind Arbeitsmittel, für die keine Gebrauchsanleitung mitgeliefert werden muss, etwa einfache Handwerkzeuge.
Reicht die Bedienungsanleitung des Herstellers?
Rechtlich ja, wenn sie die Informationen einer Betriebsanweisung enthält (§ 12 Abs. 2 Satz 3 BetrSichV). Für den Aushang an der Maschine ist eine kurze, auf den Betrieb zugeschnittene Betriebsanweisung meist besser lesbar.
Wer erstellt die Betriebsanweisung?
Der Arbeitgeber oder eine von ihm beauftragte fachkundige Person, auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung. Der Unternehmer unterschreibt sie.
Muss die Betriebsanweisung unterschrieben werden?
Eine Unterschriftspflicht steht nicht im Gesetz. Üblich ist die Unterschrift des Unternehmers mit Datum, damit klar ist, dass sie gilt und welcher Stand aushängt.
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Alle Angaben geprüft am 14.10.2026 an den Originaldokumenten.
- § 12 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) – Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, zuletzt geändert 18.12.2025
- § 14 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) – Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de, zuletzt geändert 17.12.2025
- TRGS 555 „Betriebsanweisung und Information der Beschäftigten“ – BAuA / AGS, Februar 2017
- § 12 Arbeitsschutzgesetz (Unterweisung) – Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de
- DGUV Vorschrift 1, § 4 Unterweisung – DGUV, November 2013
- DGUV Regel 109-606, Abschn. 3.1.1 Formatkreissägen – DGUV, April 2019, geändert Mai 2022
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung und keine Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Berufsgenossenschaft.